Die Klientin befindet sich in einem hellen Gang mit einem roten Teppich
in der Mitte. Sie lässt sich von einer Tür anziehen, die mit
mehreren massiven Metall-riegeln versehen ist. Nachdem sie diese geöffnet
hat, betritt sie den dahinter liegenden Raum mit Erwartung und Neugier,
kann aber erstmal nichts erkennen.
Plötzlich bemerkt sie:
Kl: Jetzt empfinde ich das eigentlich wie beim ersten Schwangerschaftsabbruch,
wo ich ja noch nicht wusste, dass ich schwanger bin. Ich sehe mich jetzt
im Januar morgens an der Bushaltestelle - auf dem Weg zur Arbeit - stehen.
Es ist recht kalt.
Th: Geh’ in dich hinein, geh’ in deinen Körper hinein,
spür’ es von innen heraus.
Kl: Ja, ich empfinde es als recht kalt und ich merke, dass irgendwas nicht
in Ord-nung ist mit mir. Ich weiss aber nicht, was genau, ich merke nur,
dass es mir ständig übel ist, dass ich den ganzen Tag müde
und abgeschlagen bin, dass ich zum ersten Mal plötzlich die Autoabgase
auf der Strasse wahrnehme, so dass sie mir auch Übelkeit bereiten
und dass ich schon morgens dieses Schweregefühl habe und Angst, den
Tag nicht zu schaffen. Und in mir drin hab` ich die Unruhe, das ich nicht
weiss, was mit mir los ist.
Th: Dann geh’ mal mit deinem Bewusst-sein in deinem Körper
hinein und teile ihm mal mit, wie du dich fühlst.
Kl: Ja, ich fühle mich im Moment unwohl in dir.
Th: Spür’ mal, wie er reagiert darauf.
Kl: Also, vom Körper her habe ich eher das Signal, dass das normal
ist.
Th: Was macht das gefühlsmässig mit dir?
Kl: Ja, es ist diese Unruhe, weil ich halt nicht weiss, was ich da ausbrüte.
Th: Lass`mal die Unruhe deutlicher werden, atme mal in diesen Zustand
hinein. Atme mal stärker, gib’ dieser Unruhe mal Raum.
Kl: Ja, ich hab’ das Gefühl, ich möchte nicht länger
abwarten, sondern zum Arzt gehen, um das abklären zu lassen, weil
ich mich einfach unwohl fühle damit.
Th: Ja, dann sprich`doch noch mal mit deinem Körper.
Kl: Ja, für ihn ist alles normal. Ausser, dass er einfach nur kaputt
ist, ist die Welt für ihn eigentlich in Ordnung.
Th: Ja, dann guck’ einfach, was du weiter machst.
Kl: Ich sehe mich jetzt in der Situation, wo ich den Termin beim Arzt
habe. Eigentlich fühle ich mich hundeelend, weil die Befürchtung,
eventuell schwanger zu sein, habe ich zwar nicht ausgedacht, aber es kam
eigentlich für mich auch nur in Frage, mir beim Gynäko-logen
einen Termin zu holen.
Th: Also, im Prinzip war es dir schon klar, irgendwo?
Kl: Ja, aber ich habe es nicht bewusst zu Ende gedacht, das ist mehr intuitiv
gewesen. Und jetzt ist natürlich diese Unruhe da, dass doch was Ernsteres
sein kann.
Th: Atme in diese Unruhe hinein, ganz bewusst.
Kl: - atmet tief - Ja, ich habe jetzt das Gefühl, dass ich den ganzen
Arzttermin nochmal durchlaufe.
Th: Beschreib’ mal, was du wahrnimmst.
Kl: Ja, aufgrund der Vorgeschichte meiner Mutter habe ich Angst, dass
sich vielleicht sogar ein Tumor oder etwas ähnliches dahinter verbergen
kann.
Th: Sprich’ die Unruhe doch mal an. Frag’ sie mal ganz direkt,
wo sie ihre Wurzeln hat, wo sie herkommt.
Kl: Unruhe, wo kommst du her? Warum bist du da? - Es ist einfach die Situation,
nicht zu wissen, was mir der Arzt gleich sagt.
Th: Ja, dann geh’ mal weiter, guck’ mal.
Kl: Ja, der Arzt lacht sich jetzt eigentlich fast kaputt - jetzt wo er
auf dem Ultra-schall sieht, was Ursache der ganzen Geschichte ist. Ich
hab’ das Gefühl, wenn ich jetzt nicht auf dem Untersu-chungsstuhl
liegen würde, würde es mir jetzt völlig die Beine wegziehen.
- Sie soll den Arzt direkt ansprechen. - Ja, über den Grund, der
hinter meinen Beschwer-den steckt, bin ich jetzt völlig schockiert,
das kann einfach nicht sein.
Th: Atme mal stärker in dieses „schok-kiert sein“ hinein.
Kl: Ich habe völlig kalte Hände und kalte Füsse, es ist
alles irgendwie am Kribbeln und dreht sich alles, weil das einfach unfassbar
ist. Also, ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht mit einer Schwan-gerschaft.
Th: Welcher Gedanke kommt, welches Gefühl?
Kl: Ja, dass das eigentlich unmöglich ist. Ich meine, wenn der Arzt
mir das sagt und es mir jetzt sogar auf dem Monitor zeigt, dann wird es
wohl so sein, dann werde ich es glauben müssen, aber es geht einfach
nicht. Ich kann mir in der momentanen Situation einfach nicht vorstellen,
schwanger zu sein, ein Kind zu kriegen oder ... Also, erstmal stehe ich
momentan an einem beruflichen Scheideweg, noch mal was anderes machen
zu können - ich will in ein paar Tagen den Arbeitsvertrag un-terschreiben.
Ich weiss im Moment nicht, was ich mit einem Kind soll.
Th: Sag’ es dem Arzt.
Kl: Ich kann es einfach im Moment nicht gebrauchen, weder in meiner Lebens-situation,
noch für mich selbst.
Th: Ja, dann sprich’ doch mal den Fötus in dir an, red’
mit ihm, sag’s ihm.
Kl: Für dich ist im Moment jetzt einfach noch kein Platz in meinem
Leben.
Th: Guck’ mal, wie er reagiert darauf.
Kl: Mit Unverständnis. Wer nicht schwan-ger werden will, kann eigentlich
auch entsprechend verhüten.
Th: Was macht das mit dir? Rede mit ihm.
Kl: Nur weil wir nicht mit einer hundertprozentigen Methode verhütet
haben, muss ich mich jetzt aber der Situation nicht ergeben. - eindringlich
- Nee, es ist für mich einfach unvorstellbar - es geht einfach nicht.
Th: Wie reagiert der Fötus darauf?
Kl: Er vermittelt mir das Gefühl, dass er nun aber halt einfach mal
da ist.
Th: Ja, was machst du jetzt damit?
Kl: Ja gut, aber trotzdem muss ich das jetzt nicht einfach so hinnehmen.
Th: Sag’s ihm.
Kl: Ich kann, muss und will die Situation so nicht hinnehmen. Es gibt
für mich jetzt andere Dinge im Leben, die gewichtiger sind und ich
fühle mich auch nicht bereit dazu. Ich kann mit dir einfach im Moment
nichts anfangen. - Er sagt, dann hätte ich was dafür tun können,
dass er nicht da ist.
Th: Tja, was machst du jetzt. Spür’ mal, was da ist an Gefühl.
Kl: Er möchte, dass ich trotzdem versuche, irgendein Gefühl
aufzunehmen zu ihm. - trotzig - Aber, ich will es einfach nicht.
Th: Was machst du mit deinen Gefühlen - weil die müssten ja
da sein, an sich erstmal in der Situation. Spür’ mal rein.
Kl: Ich versuche es zu verdrängen.
Th: Guck’ mal, wo es landet. Wohin drängst du das Gefühl.
Kl: Ich versuche es gamz weit hinten in meinem Gedächtnis weg zu
schieben.
Th: Bist du denn heute bereit, hin zu schauen, was das für ein Gefühl
ist, hin zu spüren?
Kl: Ja, ich habe das Gefühl, dass es höchste Zeit ist, das zu
tun, aber besonders gerne tue ich es eigentlich nicht.
Th: Das kannst du ruhig dem Gefühl sagen.
Kl: Also, eigentlich möchte ich mich nicht so gerne mit dir auseinandersetzen.
Ich war eigentlich ganz froh, dich irgendwo ins völlige dunkle Abseits
geschoben zu haben und dich da irgendwo, ja, durch aktuelle Dinge in meinem
Leben in Vergessenheit zu bringen.
Th: Was du mal tun kannst jetzt, ist gucken, was dieses Gefühl in
dieser Ab-geschobenheit anstellt. Weil Gefühle wollen wahrgenommen
sein. Also, was macht dein Gefühl da hinten in der abgeschobenen
Ecke? Was tut es da, wie bringt es sich in Erinnerung sozusagen?
Kl: Ich hab’ das Gefühl, es stellt ich dar, wie so eine dunkle
Häuserecke und ich hab’ das Gefühl, dass es mich aus dem
Dunklen heraus, um die Ecke sozusagen, immer wieder versucht, mich anzugucken.
Um mir halt zu zeigen, hey, hoffentlich hast du mich nicht vergessen.
Th: Ja, schau’ doch mal hin. Schau’ mal in die dunkle Ecke.
Kl: Das wirkt eigentlich auf mich, wie ein sehr hilfloses Gefühl.
Also, ich empfinde es nicht als bedrohlich.
Th: Sag’s ihm.
Kl: Ich habe das Gefühl, dass du eigentlich eher meine Hilfe benötigst,
als dass du mich bedrohen willst.
Th: Wie reagiert das Gefühl.
Kl: Es versucht bei mir die Empfindung auszulösen, es an die Hand
zu nehmen und aus der Ecke zu holen.
Th: Willst du es tun?
Kl: Sicher bin ich mir nicht, ich war eigentlich ganz froh, dass es weg
ist.
Th: Ja, aber es ist ja immer noch da. Du hast es ja nicht weg im Sinne
von nicht mehr vorhanden. Vielleicht solltest du es dir doch mal näher
anschauen. Du kannst das Gefühl auch mal fragen, ob es etwas mit
deinen derzeitigen Be-schwerden zu tun hat. Frag’ es doch mal direkt.
Kl: Hast du mit meinen Beschwerden zu tun und gibst du mir im Grunde damit
ein Signal, um dich wieder in Erinnerung zu bringen, dass ich mich eigentlich
mit dir beschäftigen muss? - Also, eine Antwort kann ich nicht direkt
aufnehmen. Ich empfinde das Gefühl jetzt nur so, dass es versucht,
mir eine Hand entgegen zu strecken, die ich, ja, selber in die Hand nehmen
soll.
Th: Ja, dann mach’ es doch mal.
Kl: Ich habe jetzt das Gefühl, dass ich ei-ne Kinderhand in meiner
Hand halte und in meinem unteren Bereich ist immer so ein aufflackerndes
Gefühl. Also, es ist nicht dieses brennende Gefühl, sondern
immer so ein aufflackerndes Kribbeln.
Th: Ja, dann schau’ mal, welcher Impuls kommt, was du mit der Kinderhand
und mit dem Kribbeln jetzt machen möchtest.
Kl: Ich möchte es halt schon jetzt aus der dunklen Ecke hervor holen.
Th: Dann tu’s.
Kl: Ich habe jetzt das Gefühl, dass sich das Gefühl jetzt nicht
nur in einer Kinder-hand darstellt, sondern in Form von einem kleinen
Mädchen. - Sie soll das kleine
Mädchen direkt ansprechen. - Es gibt mir zu verstehen, dass ich sie
bin.
Th: Du als kleines Mädchen? - Die Klien-tin bejaht. - Ja, dann lass’
dir doch mal zeigen, warum sie jetzt in diesem Zu-sammenhang auftaucht.
Das Mädchen scheint ja den Hintergrund zu kennen. Lass’ dich
mal führen von ihr.
Kl: Sie will mit mir jetzt erst mal die grosse Treppe, an der wir stehen,
hochgehen. ... Ja, ich habe eher das Gefühl, dass das Kind irgendwas
von mir will. Ich habe nicht das Gefühl, dass es mir was zeigen will,
sondern, dass es von mir irgendwas erwartet. - Was erwartest du von mir?
Soll ich dir bei irgendwas helfen? Soll ich dir irgendwas zeigen, was
erklären, dir über irgendwas hinweghelfen, oder ... Gib’
mir bitte irgendeine Hilfestellung, damit ich weiss, was ich tun kann.
- Sie signalisiert mir eigentlich nur, dass sie sich sicher fühlen
möchte. Sie möchte halt einfach nur an der Hand gehalten werden.
Sie hat ein sehr, sehr grosses Sicherheitsbedürfnis.
Th: Kennst du das? - Die Klientin bejaht. - Sag das dem Kind doch mal.
Kl: Du, du zeigst mir eigentlich meine ei-genen Gefühle auf, die
ich früher immer gehabt habe, als Kind.
Th: Ja, dann spür’ doch mal, wo du landest, in welcher Zeit,
woher du genau diese Gefühle kennst.
Kl: Das zieht sich eigentlich durch die ganze Zeit, also vom Kleinkindalter
her an.
Th: Geh’ mal direkt in diese Zeit hinein, vielleicht als Kleinkind.
Kl: - atmet tief durch - Also, ich kann da nichts genaues festmachen,
ich sehe mich halt als kleines Mädchen im Alter von zwei Jahren an
bis hin zur weiterführenden Schule. Das ist ein Gefühl, das
mich eigentlich die ganze Zeit mit begleitet hat.
Th: Ja, und wenn es den Anfang bei ungefähr zwei Jahren hat, dann
solltest du vielleicht in diese Zeit nochmal hinein gehen. Und geh’
mal in deinen Körper hinein, spür’ dich mal als kleines
Mäd-chen, als zweijährige. Nimm’ mal deine Umgebung wahr,
schau’ mal, wer noch da ist.
Kl: Ja, ich nehme meine ganze Familie, also meine Eltern und meinen Bruder
um mich herum wahr. Also, es passiert nichts spezielles, aber ich habe
immer das Gefühl, ich muss irgend jemanden bei der Hand halten.
Th: Spür’ mal, wovor du Angst hast.
Kl: Ja, Angst davor, verlassen zu werden.
Th: Sag’s mal deiner Mama und deinem Papa.
Kl: Ich kann’s ihnen nicht sagen, weil sie mich im Krankenhaus allein
gelassen habe.
Th: Dann geh’ jetzt noch mal in die Zeit in das Krankenhaus. Wie
alt bist du da - zwei Jahre?
Kl: Ja, das kommt ungefähr hin.
Th: Ja, dann sei nochmal da. Was passiert da?
Kl: Ja, sie haben mich abgegeben, ich sitze in meinem Bett und es ist
einfach keiner da.
Th: Atme mehr. Tiefer atmen. - Die Therapeutin atmet vor. - Ja, erlaube
mal diesen Schmerz.
Kl: Ich habe das Gefühl, ich kann mich einfach nicht auf sie verlassen.
Th: Lass’ deine Eltern mal da sein und sag es ihnen.
Kl: Ihr habt mir nicht erklärt, warum und wieso, ihr habt mich jetzt
einfach hier alleine gelassen. Ihr habt euch umgedreht und seid weggegangen.
Ihr habt mich einfach hier zurück gelassen. - Ja, sie sagen, sie
haben keine andere Mög-lichkeit, sie haben es nicht freiwillig gemacht.
Th: Bist du eiverstanden damit, oder nicht. Wenn nicht, dann tu’
was, dann verändere was. Dann nimm’ dir von mir aus den Schlagstock
und schlag’ das Krankenhaus kaputt oder führe neue Ordnungen
dort ein. Oder sag’ deinen Eltern, sie sollen dir helfen. Sie sollen
sich mal angucken, was das in deinem weiteren Leben auslöst.
Kl: Ich kann euch sicherlich verstehen, dass ihr in der Situation nicht
anders handeln konntet, aber ihr hättet euch hinterher anders verhalten
können. Ihr hättet euch
bemühen müssen, mir wieder das Gefühl von Vertrauen zu
geben, dass ihr wirklich immer für mich da seid, weil im Grunde habt
ihr mich abgegeben, habt mich sitzenlassen und seid weggegangen. Und ich
erwarte von euch, dass ihr das wieder gut macht, weil das für mich
ganz entscheidend ist für mein weiteres Leben.
Th: Ja, und zwar sollen sie es direkt vor Ort im Krankenhaus wieder gut
machen nicht erst hinterher, denn da hast du diese Gefühle alle schon
drin.
Kl: Ja, sie sagen, es war ja verboten, mich jeden Tag im Krankenhaus zu
besuchen.
Th: Dann führe im Krankenhaus neue Regeln ein. Hol’ dir die
zuständigen Per-sonen, wenn deine Eltern nicht dazu in der Lage sind.
Du kannst mit deinem heutigen Bewusstsein dazu gehen und dem kleinen Mädchen
helfen.
Kl: Ja, ihr braucht eigentlich nur die Tür aufzumachen, reinzugehen
und zu sa-gen, das ist mein Kind. Ich will wenigstens einmal am Tag meinem
Kind das Gefühl geben, dass es darauf hoffen kann, dass wir nicht
ganz weg sind. - Ich habe das Gefühl, dass dem Kind es schon reichen
würde, die Eltern wenigstens kurz zu sehen. Also, dass sie mich öfters
mal alleine zuhause lassen, das kenne ich eh, aus noch viel früherer
Zeit und das ist eigentlich auch nichts, was mir oder dem Kind Angst einjagt.
Es ist aber das Gefühl, sie wenigstens zwischendurch kurz sehen zu
können.
Th: Ja, sag’ es dem Arzt oder der Krankenhausleitung.
Kl: Ihr müsst einfach jetzt ein Mittel und einen Weg finden, dass
sie sich einmal am Tag sehen können, weil das für das Kind einfach
wichtig ist, wichtig auch für die Eltern und für alles weitere,
was kommt.
Th: Ja, guck’ mal, ob sie es machen, ob es geht.
Kl: Ja, sie sagen, wenn das wirklich das einzige wäre und sie nicht
noch irgendwelche anderen Sonderwünsche haben, wäre das in Ordnung.
Th: Dann sei jetzt nochmal die zweijährige und schau’ mal,
ob deine Eltern kommen, jeden Tag.
Kl: Ja, sie können jetzt kommen.
Th: Dannn spür’ mal, wie du dich fühlst mit deinen Eltern.
Kl: Es ist gut zu wissen, dass es sie doch noch gibt und dass sie auch
kommen. - Sie soll es ihnen direkt sagen. - Das ist für mich jetzt
wichtig, dass ihr da seid, dass ihr mir das Gefühl gebt, dass ihr
mich nicht vergessen habt oder mich einfach irgendwo alleine lassen wolltet.
Ich habe jetzt auch das Gefühl, dass sich meine Mutter jetzt damit
wohler fühlt, weil sie das vorher sehr belastet hat.
Th: Wie fühlst du dich jetzt als kleines Mädchen? Spür’
mal.
Kl: Erleichtert, weil ich die Sicherheit ha-be, auch wenn sie zwischendurch
weg sind, dass sie immer wieder kommen.
Th: Was ist mit der Hilflosigkeit, die vorher da war?
Kl: Ich fühle mich jetzt eigentlich, wie so ein kleiner Graf Koks
im Bett sitzend, weil eigentlich doch den ganzen Tag ir-gendwo Schwestern,
Ärzte, meine Eltern um mich herum sind. Es ist im Grunde immer jemand
da. Ich bin nicht alleine und eigentlich sind sie alle auch ganz begeistert
von dem kleinen Mädchen mit den blonden Zöpfen. Also, ich merke
halt schon, dass sie einen kleinen Narren an mir gefressen haben und das
gibt mir eigentlich ein ganz gutes Gefühl.
Th: Ja, dann nimm’ mal dieses neue Gefühl, das du dort jetzt
entwickelt hast, mit auf deinen weiteren Weg. Geh mal weiter in deinem
Leben und schau’ mal, was mit der Hilflosigkeit ist - ob die noch
da ist oder ob die weg bleibt, oder ob sich das neue Gefühl stärkt
und steigert.
Kl: Also, ich fühle mich jetzt eher selbstsicher. Ich weiss, dass
meine Familie immer für mich da ist, auch wenn sie nicht direkt neben
mir steht und ich habe nicht das Gefühl, dass ich ewig in Haut-kontakt
sein muss mit ihnen.
Th: Ja, geh’ mal in so Situationen rein, die dir noch vertraut sind
und spür’ es mal mit diesem neuen Gefühl.
Kl: Das ist ein sehr wohliges Gefühl. Ich habe eher das Empfinden,
es macht sich jetzt eher so Abenteuerlust breit, dass ich jetzt auch das
Gefühl empfinde, mich auch darauf zu freuen, auch mal was alleine
zu entdecken.
Th: Dann tu’s mal, guck mal, was du entdeckst.
Kl: Ja, ich habe jetzt auch keine Angst mehr, alleine ins Zeltlager zu
fahren, ich freue mich sogar darauf, was Neues ohne sie zu erleben und
ihnen hinterher zu erzählen, was ich erlebt habe. So dass sie meine
Verbundenheit zu ihnen spüren, weil ich das Vertrauen habe und ihnen
alles erzähle, aber dass sie auch merken, dass ich ja keine Angst
davor habe, mir auch Wege alleine zu erarbeiten und zu erleben.
Th: Ja, geh’ mal ins Zeltlager, spür’s mal.
Kl: Ja, das ist jetzt der Moment, wo ich mich von meiner Mutter verabschiede,
bevor wir losfahren. Ich bin aufgeregt, Vorfreude, schon ein bisschen
nervös, aber eher, weil ich nicht erwarten kann, das es endlich losgeht.
Meine Mutter freut sich, dass ich soviel Selbstsicher-heit schon habe,
dass ich diese 14 Tage jetzt gerne bewältigen möchte. Das ist
ja für mich jetzt doch so das erste Mal. Bisher sind wir ja immer
zusammen weg gefahren.
Th: Ja, spür’ mal, wie du dich fühlst dabei.
Kl: Ja, ich hab’ das Gefühl, dass ich mich jetzt zum ersten
Mal aus dem elterlichen Nest so ein bisschen freistrampeln kann. Und das
Gefühl, dass ich keine Angst haben muss, dass ich das auch alleine
bewältige.
Th: Ja, spür’ mal die Qualität, die darin steckt. Geh’
mal im Zeitraffer weiter.
Kl: Ich fühle mich sehr wohl dabei. Ich habe auch das Gefühl
so bei allem, was mir jetzt so an Bildern vorbei läuft, dass ich
so eine Art von Leichtigkeit dabei habe, also dass mir das alles so lockerer
von der Hand geht. Dass ich nicht soviel darüber nachdenke, was könnte
alles passieren und ich bin dem womöglich alleine nicht gewachsen.
Und ich spüre, dass mich meine Mutter auch dabei unterstützt,
weil sie jetzt umso mehr das Gefühl hat, dass sie ihre Mutterrolle
voll erfüllt hat, weil sie das Gefühl, mir vorher geholfen zu
haben, mir Wurzeln zu geben und mir jetzt dabei hilft, mir Flügel
zu geben. Ich fühle mich damit sehr wohl.
Mama, mit deiner Hilfestellung fühle ich mich sehr wohl. Du gibst
mir das Gefühl, mich selbst für mich persönlich frei zu
entwickeln, aber immer mit dem Gefühl, dass mir niemals der Weg verbaut
ist, wenn ich mal eine Bruchlandung erleide, zurück zu kommen. Ja,
da ist sie froh drüber, weil genau das Gefühl wollte sie mir
immer geben. Ud eigentlich im doppeltem Masse, weil sie das alles auf
sich allein gestellt machen musste, weil mein Vater ja eigentlich nie
da war.
Th: Ja, dann geh’ doch mal mit diesem Gefühl weiter bis zu
der Untersuchung beim Gynäkologen.
Kl: Ja, ich habe das Gefühl, dass die Tatsache oder die Neuigkeit,
jetzt selber schwanger zu sein, ja im Grunde, mir ganz neue Türen
öffnet.
Th: Ja, wenn das im wahrsten Sinne des Wortes neue Türen sind, dann
kuck doch mal rein - was sind das denn für Türen? Was eröffnen
sie dir? Was siehst du?
Kl: Also, das sind jetzt ähnlich angenehme Gefühle wie eben
zum Beispiel das Gefühl, das ich hatte, als ich zum ersten Mal alleine
ins Zeltlager sollte - dass ich so eine Vorfreude habe, was Neues be-gehen
zu können. Dass ich zwar nicht weiss, was da auf mich zukommt, ich
aber irgendwo weiss, dass mir eigentlich nicht viel passieren kann.
Th: Sprich doch nochmal mit dem Fötus jetzt. Sag’s ihm!
Kl: Ja, du löst eigentlich eine innere Un-ruhe in mir aus, aber gepaart
aber eigentlich auch mit einer sehr, sehr grossen Neugierde, welche neuen
Welten du mir eigentlich eröffnest. Und ich bin eigentlich sehr gespannt
drauf und ich merke auch, dass ich Spass und Lust dazu habe.
Th: Wie reagiert er?
Kl: Er freut sich drüber.
Th: Und du?
Kl: Ich habe eher so ein bisschen das Gefühl von „aufgeregt
sein“ - wie vor dem 18. Geburtstag.
Th: Gut, dann hole doch mal deinen Mann dazu.
Kl: Der hat eigentlich damit schon gerechnet und er signalisiert mir im
Grunde schon eine offene Bereitschaft.
Th: Ja, dann geh doch mal weiter mit dieser Entwicklung auf der Zeitachse
und dann schau mal, was daraus entsteht.
Kl: Wir fühlen uns beide wie ziemlich aufgekratzte Teenager, die
eigentlich was gemacht haben, wovor uns unsere Eltern immer gewarnt haben.
Aber ir-gendwo auch mit einer riesen Vorfreude, jetzt was ganz besonderes,
eigenes, neues auf den Weg zu bringen. Ich habe das Gefühl, dass
mir diese 40 Wochen fast viel zu lange vorkommen.
Th: Geh mal weiter und schau’ dir mal die Entwicklung an. Spür’
sie.
Kl: Ich fühle mich in mir selbst sehr wohl jetzt, die ganze Zeit.
Th: Ja, spüre mal in deinen Bauch hinein, wo du immer deine Beschwerden
hast.
Kl: Ja, das fühlt sich völlig entspannt und wohlig warm an.
Die Beschwerden sind nicht mehr da.
Th: Wie ist das für dich, wenn du das so spürst?
Kl: Eine wahnsinnige Erleichterung. Also, ich fühle mich mit mir
selbst rundum wohl.
Th: Spür’ mal das Zusammensein mit deinem Mann, auch das intime
Zusam-mensein.
Kl: Ja, das ist im Grunde das Gespannt-sein jetzt, die Neugierde, eine
neue Situation zu haben und im Grunde auch ein ganz neuartiges Zusammensein
- also in allen Bereichen.
Th: Ja, nimm es mal wahr, was da auftaucht.
Kl: Alles um uns herum gerät mehr oder weniger ins Hintertreffen
und wir kümmern uns extrem nur um uns selbst, wir sind sehr miteinander
beschäftigt.
Th: Ja, nimm’ es mal wahr und spür’ es ganz tief. - Schöne
sanfte Musik wird eingespielt. - Was passiert?
Kl: Ich hatte eben nochmal so ein Gefühl von dieser inneren Anspannung
und dann das Gefühl, das jetzt endlich loslassen zu können.
Ich fühle mich jetzt erleichtert, entspannt, ich bekomme warme Hände.
Th: Sprich’ mal mit deinem Unterleib, dort wo die Beschwerden sind.
Frag’ ihn mal, ob das jetzt der Hintergrund war oder ist oder ob
es für dich noch mehr wahrzunehmen gibt, wo du noch hinschauen sollst.
Kl: Also, es fühlt sich alles einfach nur entspannt an.
Th: Kommt keine Reaktion, ein „Ja“ oder ein „Nein“?
- Die Klientin verneint. - Ja, dann frag’ mal deinen Bauch, ob du
die Beschwerden noch brauchst.
Kl: Ist noch irgendwas Ungelöstes in mir, womit ich mich auseinandersetzen
muss, damit die Beschwerden entgültig weg sind oder ist das wirklich
das einzige gewesen, was sich dahinter verborgen hat? Können die
Beschwerden jetzt weggehen? - Also, ich sehe mich jetzt wieder in der
Situation mit dem kleinen Kind, in dem mich mich selbst eigentlich sehe,
vor der Treppe stehend, und das Kind nickt mich an und es wollte mit mir
deswegen eigentlich auch die Treppe hochgehen.
Th: Was meint das Kind?
Kl: Ja, auf jeden Fall wollte es mir damit das Gefühl geben, dass
ich mich selbst bewegen muss, nicht einfach stehenbleiben kann, aus Angst,
dass ich irgendwas nicht bewältigt bekomme.
Th: Frag’ doch mal das Kind, ob es et-was über die Beschwerden
weiss, die du jetzt hast, die ganze Zeit.
Kl: Ja, kannst du mir weiterhelfen bei der Grundfindung für meine
Beschwerden? Kannst du mir sagen, ob es das jetzt gewesen ist, ob ich
den Knoten, den ich die ganze Zeit mit mir rumgetragen habe, ob der jetzt
gelöst ist. Oder kannst du mir ansonsten sagen, ob ich irgendwas
tun kann oder irgendwas tun muss. Ich brauche dafür deine Hilfe,
weil ich das Gefühl habe, dass du mir dabei irgendwie weiterhelfen
kannst. - Das Kind nickt.
Th: Wie interpretierst du denn das Nicken?
Kl: Dass ich auf jeden Fall auf dem richtigen Weg bin.
Th: Was du auch noch machen kannst, wenn jetzt nichts weiter kommt, dass
du einfach mal in dem Gefühl, dass du jetzt zu den Bildern hattest,
in der Schwan-gerschaft einfach mal weiter vorwärts gehst. Spür
mal, wie dein Körper sich verändert. Lass mal den Prozess weitergehen
und spür mal, wie du dich in diesem Körper jetzt fühlst.
Und lass deinen Mann dabei sein und spüre, was zwischen euch dadurch
auch passiert. Und beschreibe, was du wahrnimmst.
Kl: Ja, er nimmt mich auf jeden Fall mit einer ganz anderen Aufmerksamkeit
wahr. Er ist hochgradig neugierig und gibt mir so das Gefühl, dass
er selbst noch nicht so richtig weiss, was in ihm vorgeht.
Th: Was macht das mit dir?
Kl: Das löst auch ein bisschen Un-sicherheit aus.
Th: Sag’s ihm.
Kl: Dieses unsichere Gefühl, was du jetzt eigentlich mit mir anfangen
sollst, löst wiederum Unsicherheit in mir aus, ob die Situation jetzt
eigentlich so deinen oder unseren Vorstellungen entspricht und ob du dich
damit identifizieren kannst und ob du mit der Situation glücklich
bist, ob du dir das so gewünscht hast.
Th: Wovor hast du Angst, spür’ mal! - Dass er dich verlässt,
dich allein lässt?
Kl: Nein, aber dass ich einfach nicht mehr das Bild verkörpern kann,
dass er von mir hatte, als wir uns kennengelernt haben.
Th: Wovor hast du Angst, spür’ mal. Jeder verändert sich,
auch du wirst älter. Was ist die Angst da drin?
Kl: Ja, dass er anfängt, sich dadurch von mir zu entfernen.
Th: Sag’s ihm.
Kl: Ja, ich habe Angst, dass du dich durch meinen Zustand von mir wegentwickelst
und dich entfernst, weil ich vielleicht nicht mehr dem Bild entsprechen
könnte, das du mal von mir hattest. Ja, und diese Unsicherheit löst
jetzt auch schon wieder so ein Kribbeln in meinem Unterleib aus.
Th: Ja, genau, das ist es nämlich. Atme mal in diese Unsicherheit
und in dieses Kribbeln hinein. Erlaub’ es mal, gib’ dieser
Angst, die da drin steckt mal richtig Raum - viel Raum. - Die Therapeutin
atmet vor. - Ja, lass’ die Angst da sein, damit du sie jetzt wahrnehmen
kannst. Und dann lass’ dich mal von dieser Angst führen, dorthin
wo sie eigentlich entstanden ist. - Die Klientin atmet teif ein und aus.
- Lass’ dich mal in der Zeit zurück führen. Wo hat die
Angst ihren Ur-sprung?
Kl: Das ist einfach ein Gefühl, das ich in der Zeit entwickelt habe,
seitdem ich mit meinem Mann zusammen bin. - Sie soll es ihm direkt sagen.
- Seitdem ich mit dir zusammen bin, trage ich ewig das Ge-fühl in
mir, dass ich einem ganz bestimmten Bild, das du von mir hast, entsprechen
muss und das gefällt mir gar nicht, weil ich darüber ganz vergesse,
wer ich selbst eigentlich bin oder sein möchte.
Th: Guck mal, wie er reagiert.
Kl: Er empfindet das eigentlich als normale partnerschaftliche Frotzelei.
Th: Was macht das mit dir?
Kl: Ja, ich finde es nicht besonders witzig. - Ja, auch wenn du das für
einen kleinen Scherz am Rande hältst, ich finde es nicht gut, weil
in jedem Späss-chen ist auch ein Funken Wahrheit drin und das bleibt
jedesmal ein bisschen mehr hängen.
Th: Spür’ mal, was der Funken Wahrheit macht in dir.
Kl: Setzt mich unter Druck.
Th: Ja, spür’ mal den Druck, wo sitzt er?
Kl: Im Unterbauch.
Th: Da, wo die Beschwerden sind? - Die Klientin bejaht. - Sag’ es
ihm.
Kl: Ja, du löst ein völliges Unwohlsein und bedrückendes
Gefühl in meinem Unterbauch aus, was sich in Form von Druck und Kribbeln
in dem Bereich breit macht, wo ich meine Beschwerden habe. Ich merke richtig,
wie mein Körper sich da im Grunde ein Ventil sucht, um dir eigentlich
das Gefühl zu geben, hör auf, ich mag das nicht haben, ich fühle
mich von dir in die Enge gedrängt.
Th: Dann sag’ es ihm doch jetzt mal direkt. Hör’ auf
...
Kl: Hör’ auf, mich ständig unter Druck zu setzen in der
Form, dass du mir ständig irgendwelche Vorgaben gibst, wie ich zu
sein habe, wie ich auszusehen habe, welchem Bild ich zu entsprechen habe.
Th: Guck’ mal, wie er reagiert.
Kl: Ja, das hat er so eigentlich gar nicht gewollt, sondern das waren
eigentlich nur kleine Spässchen, wie er auf seine Art von Humor halt
eben Spässchen treibt.
Th: Wie ist das für dich?
Kl: Das ärgert mich eigentlich.
Th: - Die Therapeutin gibt der Klientin einen Schlagstock in die Hand.
- Komm, lass’ mal die Wut raus, damit der Druck rauskommt. Setz’
dich mal auf. Lass’ deinen Mann da sein und lass’ mal die
Wut raus. Sorge mal für dich! Na komm! Schau hin, er macht seine
Spässchen mit dir und du hast den Druck im Bauch. Eigentlich willst
du es nicht und so wehrst du dich gegen ihn. Guck’ mal, ob du das
weiter willst. Wenn nicht, dann wehre dich jetzt mal richtig gegen den
Druck.
- Die Klientin schlägt zaghaft auf den Boden, die Worte sind unverständlich,
da die Musik zu laut ist. - Drück’ es aus und atme in den Druck
im Bauch hinein. Und lass’ dir von dem Druck, den du seit Jahren
gesammelt hast, Impulse ge-ben, in die Hand hinein, in den Schlagstock.
Hör hin, was dein Mann sagt und spüre ob du das noch weiter
willst. - Die Klientin schlägt wieder zaghaft und drückt sich
sehr leise aus. Die Worte sind unverständlich. - Guck’ mal,
wie er reagiert.
Kl: Er ist völlig fassungslos.
Th: Was macht das mit dir, was löst das aus?
Kl: - spricht ihren Mann direkt an: Ich erwarte jetzt von dir, dass du
dich jetzt dazu äusserst, weil ich das nicht mehr mitmache. - Es
tut ihm leid, weil er weiss im Grunde selbst, dass jeder älter wird,
sich verändert, selbst wenn man nicht schwanger ist. Dass das einfach
der Lauf der Zeit und das normalste von der Welt ist. Und es ist von ihm
auch keine böse Absicht dahintergesteckt und ihm war auch nicht bewußt,
dass ich da soweit darauf eingehe.
Th: Ja, er soll sich mal das Ausmass an-gucken, es hat ihn ja auch stark
beeinträchtigt.
Kl: Ja, dann äussere dich mal, wie du dich ändern willst, weil
das ist im Grunde das, was du mitbewirkt hast. Du warst im Grunde auch
einTeil vondem, was die Beschwerden in mir ausgelöst hat. - Es tut
ihm leid. Es war einfach ein gedankenloser Spass.
Th: Jetzt mach’ doch mal folgendes: Zieh’ doch einfach mal
Klamotten an, die dir gefallen und von denen du weisst, dass es eigentlich
gar nicht sein Ding ist. Guck’ mal, ob er dich trotzdem mag, ob
er bereit ist, dich so zu akzeptieren, wie du es möchtest.
Kl: Er macht das gar nicht von Äusserlichkeiten abhängig.
Th: Ja, spüre das mal.
Kl: Er gibt mir sogar eher das Gefühl, dass er so dieses Unabhängige,
das ich ihm eigentlich von Anfang an, als wir uns kennengelernt haben,
signalisiert habe, dass ich mir von niemandem die Butter vom Brot nehmen
lasse und irgendwo meinen eigenen Weg gehe und mich in keine Abhängigkeit
bringe, dass das im Grunde das Wichtigste für ihn ist, was letztendlich
auch bewirkt hat, dass er sich von seiner alten Partnerschaft ge-trennt
hat und sich auf mich eingelassen hat, obwohl er sich ja eigentlich nie
mit einem so jungen Küken, das so viele Jahre jünger ist als
er, einlassen wollte.
Th: Spür’ das mal, spür’ mal, wie sich das anfühlt,
jetzt.
Kl: Ja, ich habe jetzt ein extremes Gefühl von Selbstsicherheit,
Selbstwertgefühl. Ich habe wirklich das Gefühl, ja das es mein
Fleckchen Boden ist, auf dem ich stehe.
Th: Spür’ mal in deinen Bauch hinein, in deinen Unterleib -
was ist mit den Be-schwerden?
Kl: Die sind weg. Und dieses ständige Kloßgefühl, das
ich auch hatte, das ich als so eine riesen Klotzgefühl hatte, fühlt
sich völlig frei an.
Th: Gut, dann geh’ jetzt nochmal in die Situation der Schwangerschaft.
Spür’ dich mal mit Bauch. - Zärtliche Musik wird eingespielt.
- Was nimmst du wahr?
Kl: Das muss ich erst mal sortieren, das ist so viel.
Th: Ach, das kann auch ungefiltert sein.
Kl: Also, ich merke einmal, dass ich jetzt so dieses Gefühl nachempfinden
kann, was meine Mutter mir erzählt hat, wie stolz sie im Grunde auf
sich selbst, auf ihren Bauch, auf das, was in ihrem Bauch war, eben gewesen
ist. Sie hat mir erzählt, we sie mit ihrem Bauch früher Parade
laufen gewesen ist.
Th: Mach’ es doch mal.
Kl: Ja, ich habe das Gefühl, dass es noch gar nicht soweit ist, aber
ich mich selbst dabei ertappe, wie ich vor dem Spiegel stehe und versuche
mit aller Gewalt soviel Bauch wie möglich raus zu drücken. Ich
habe das Empfinden von mächtig viel Stolz, weil das ein Gefühl
ist, das mir jetzt keiner nehmen kann. Und im Grunde so ein kleiner Triumpf
über meinen Mann, weil das ist ein Gefühl, das er so nicht haben
wird.
Th: Sag’s ihm.
Kl: Ja, eigentlich bin ich in in einer viel besseren Position als du,
weil das was jetzt in mir vorgeht - ich kann es spüren und ich laufe
damit Tag und Nacht und du bist eigentlich nur stiller Betrachter von
außen. Und da ist er eigentlich schon auch fast ein bisschen neidisch
drauf, weil er da irgend so eine Verbun-denheit empfindet, die ihm fehlen
wird.
Th: Fühl’ mal, wie du dich mit ihm fühlst.
Kl: Ich fühle mich in meiner Haut sehr wohl, weil ich wieder ein
gleichwertiges Gefühl an seiner Seite habe.
Th: Ja, spür’ mal in deinen Unterleib, in die Beschwerden hinein.
- Was ist da?
Kl: Das eigentliche Gefühl der üblichen Beschwerden ist weg,
aber es macht sich jetzt im ganzen Unterbauchbereich so ein erwartendes
Gefühl breit.
Th: Was erwartet dein Bauch denn, frag ihn mal?
Kl: So gross sind die Erwartungen gar nicht, eigentlich nur, dass ich
wieder anfange, mehr auf meinen Bauch zu hören.
Th: Ich habe noch eine Idee, mach mal folgendes - stell’ dir mal
vor, du bist mit deinem Mann zusammen und da kommt wieder der Sex mit
hinein. Spür’ mal, wie es ist, mit ihm zusammen zu sein - gerade
auch für deinen Unterleib.
Kl: Da fühlt sich das ganze doch ein bisschen ungut an.
Th: Ja, was ist ungut, beschreib’es mal. Ist da eine Angst, oder
sind da Schmerzen?
Kl: Das ist eher wie so ein kribbelndes Gefühl im Beckenbodenbereich.
Th: Sprich’ mal das Prickeln an, es soll sich mal umsetzen in ein
Bild, damit du es besser wahrnehmen kannst.
Kl: Es kommt im Moment nichts.
Th: Dann spür’ mal, ob das mit sexueller Spannung oder Erregung
zu tun hat, ob es vielleicht einfach ein natürliches Krib-beln ist.
Kl: Kann ich im Moment nicht einordnen.
Th: Zeig’ deinem Mann mal das Kribbeln und guck’ mal, wie
er darauf reagiert.
Kl: Da habe ich im Moment überhaupt nichts.
Th: Ja. Wie ist es denn zwischen euch?
Kl: Also, im Moment empfinde ich das wieder als Unsicherheit, weil wir
nach so langer Zeit gar nicht wissen, wie wir damit umzugehen haben. -
Sie sagt es ihrem Mann direkt.
Th: Was passiert zwischen euch?
Kl: Wir möchten beide wieder den Nor-malzustand, dass wir beide wieder
ganz normal miteinander umgehen können.
Th: Dann erlaub doch mal die Unsicher-heit, die gehört ja dazu. Wenn
ihr über ein Jahr nicht zusammen wart, ist es ganz normal, dass ihr
unsicher miteinander umgeht. Gib’ der Unsicherheit Raum, erlaub’
ihr da zu sein, irgendwo auch nicht ganz die Kontrolle zu haben. Vielleicht
ist ja auch wie beim ersten Mal dadurch ein bisschen. Spür’
mal, was passiert dadurch. Kannst du die Un-sicherheit akzeptieren?
Kl: Ja, ich kann es akzeptieren, genauso wie er auch, aber wir wissen
halt nicht, wie man der Sache entgegnen kann.
Th: Ja, klar, das heisst ja auch unsicher sein. - Ja, dann guck’
mal, was mit deinem Unterleib ist, ob die Beschwerden dadurch wiederkommen
oder ob sie weg bleiben.
Kl: Das Kribbeln bleibt unterschwellig einfach ein bisschen da.
Th: Was denkst du, was du mit dem Kribbeln machen möchtest, welcher
Impuls kommt? - Atme!
Kl: Ja, wenn es nicht mit den eigentlichen Beschwerden, die ich bisher
hatte, verbunden ist, kann ich sie jetzt am Anfang der Unsicherheit durchaus
akzeptieren, weil das normal wäre. - Die Klientin sagt es dem Kribbeln
im Bauch direkt.
Th: Wie geht es dir denn jetzt damit?
Kl: Es ist eine Erwartungshaltung da, was passiert.
Th: Ich denke, jetzt musst du erst mal die Erfahrung machen, was passiert.
Kl: Ja, sonst werde ich es nicht rauskriegen. Vom rumstehen und abwarten
wer-de ich nicht dahinterkommen.
Th: Ja, dann guck’mal, was du jetzt noch gerne machen möchetst.
Kl: Ja, ich möchte jetzt einfach gerne mir die Zeit einräumen
und das ganze langsam Schritt für Schritt machen. Das ist für
meinen Mann auch in Ordnung. Er weiss auch schon gar nicht mehr, wie das
alles funktioniert und er kommt sich selbst im Grunde auch wie ein Teenager
vor.
Th: Vielleicht könnt’ ihr es auch geniessen - nochmal Teenager
zu sein. - Musik wird eingespielt. - Ja, dann spür’ mal, ob
du noch irgendwas klären möchtest, mit deinem Körper, deinem
Bauch, deinem Mann oder ob das jetzt so ok. ist für den Moment.
Kl: Im Moment fühlen wir uns alle ganz wohl.
|